Und was ist der Unterschied zum StrengthsFinder? Keine Frage hören wir öfter. Der Test von Gallup ist seit Ende der Neunziger der Platzhirsch unter den Stärkentests, an ihm wird jeder andere gemessen. Wer so fragt, sucht meist eine Alternative auf Deutsch. Die kurze Antwort: Der StrengthsFinder, heute CliftonStrengths, ist ein normiertes Assessment für den Weltmarkt, auf Englisch entwickelt. Das StärkenRadar ist ein Check aus der Praxis für die Praxis, auf Deutsch geschrieben, und zeigt neben den Stärken auch Bedürfnisse und Rollen.

Ich kenne den StrengthsFinder gut. Seit 2012 bin ich als Trainer und Coach unterwegs und habe das Tool etliche hundert Male in Workshops eingesetzt, neben dem NEO-PI-R, dem DISG und den Charakterstärken der Uni Zürich. Es hat mir und meinen Klient*innen gute Dienste geleistet. Falls dich die zwei Namen verwirren: CliftonStrengths und StrengthsFinder sind derselbe Test. Gallup hat ihn 2015 umbenannt, zu Ehren seines Erfinders Don Clifton. Dieser Artikel ist also kein Verriss. Er ist der Vergleich, den ich mir damals selbst gewünscht hätte: Was können die beiden, was kosten sie, und welcher passt wann?

Vorneweg: Respekt

Ohne Gallup und Don Clifton gäbe es die Stärkenorientierung, wie wir sie heute kennen, vermutlich nicht. Jahrzehnte Forschung, ein weltweit eingesetztes Assessment, über 38 Millionen Nutzer*innen, dazu Bücher, die das Thema Stärken überhaupt erst in die Chefetagen gebracht haben. Wir zitieren die Gallup-Studien zur Stärken-Orientierung bis heute selbst in unseren Artikeln und Workshops. Wer heute mit Stärken arbeitet, steht auch auf diesen Schultern. Wir übrigens auch.

Genau deshalb hat unser eigener Check nur dann eine Daseinsberechtigung, wenn er etwas anderes leistet, nicht dasselbe in Grün. Was das ist, dazu gleich mehr.

Die beiden im Steckbrief

CliftonStrengths StärkenRadar
Herkunft Gallup, USA; Ende der 1990er als StrengthsFinder gestartet, seit 2015 CliftonStrengths StärkenEffekt, Regensburg; entwickelt mit hunderten Test-User*innen im Josephs, dem Innovationslabor des Fraunhofer Instituts
Sprache auf Englisch entwickelt, in viele Sprachen übersetzt im Deutschen entwickelt; verfügbar auf Deutsch, Englisch und Spanisch
Umfang 34 Talentthemen in 4 Domänen 24 Stärken in den 3 Kategorien Kopf, Hand und Herz
Ergebnis Top 5 oder Rangfolge aller 34 Talente Top8 Stärken plus Bedürfnisse und mögliche Rollen
Fremdbild kein eigenes Peer-Feedback im Produkt; Coachs kombinieren es mit separaten 360-Grad-Verfahren 360°-Blick kostenfrei integriert, Rückmeldung ohne Login
Dauer 177 Aussagenpaare, ca. 35 bis 45 Minuten 120 Aussagen, im Schnitt 14,5 Minuten
Preis Top 5 Stärken ca. 25 €, alle 34 Stärken ca. 50 bis 60 € 39 € inkl. MwSt., immer das volle Ergebnis; ab zehn Zugängen 35,10 €/Zugang
Daten Gallup-Infrastruktur (US-Unternehmen) Server in Frankfurt am Main, Datenlöschung nach sechs Monaten, Betriebsrat-geprüft
Anspruch wissenschaftlich normiertes Assessment Selbsteinschätzung aus der Praxis, bewusst kein psychologischer oder klinischer Test

Schon am Steckbrief siehst du: Die zwei Produkte beantworten unterschiedliche Fragen.

Wo CliftonStrengths schlicht besser ist

Fangen wir mit der für uns unbequemeren Hälfte an:

  • Forschungstiefe: Gallup hat Jahrzehnte Daten und Normstichproben, gegen die wir nicht anstinken wollen und können. Wer ein wissenschaftlich normiertes Assessment braucht, etwa für konzernweite Diagnostik, ist dort richtig.
  • Granularität: 34 Talentthemen in Rangfolge sind feiner aufgelöst als unsere 24 Stärken. Für Menschen, die tief in Nuancen einsteigen wollen, ist das ein echter Mehrwert.
  • Internationale Vergleichbarkeit: Gallup gibt es in deutlich mehr Sprachen als uns. Mit Deutsch, Englisch und Spanisch decken wir inzwischen viele internationale Teams ab; wenn deine Leute aber auch auf Französisch, Portugiesisch oder Mandarin testen sollen, führt an Gallup kaum ein Weg vorbei.
  • Das Ökosystem: Bücher (allen voran der Bestseller „StrengthsFinder 2.0“), Reports für Führungskräfte, ein riesiges internationales Coach-Netzwerk. Diese Infrastruktur haben wir nicht und behaupten es auch nicht.

Wenn du eines davon wirklich brauchst: Nimm den CliftonStrengths. Ehrlich.

Was wir mit dem StärkenRadar bewusst anders machen

Das StärkenRadar ist entstanden, weil in meiner Praxis trotz all dieser Stärken der vorhandenen Tests immer dieselben Lücken aufgetaucht sind. Genau dort setzt es an:

  • Im Deutschen entwickelt, nicht übersetzt: Jede Aussage im Check wurde auf Deutsch geschrieben und mit einer Sprachwissenschaftlerin auf Ein-Eindeutigkeit geprüft. Übersetzungen sind über die Jahre gut geworden, aber ein Instrument, das in der Sprache denkt, in der deine Leute arbeiten, ist noch mal etwas anderes. Und falls dein Team gemischt ist: Das StärkenRadar gibt es inzwischen auch auf Englisch und Spanisch, das Original bleibt Deutsch.
  • Einfach, aber nicht banal: Das StärkenRadar funktioniert auch für Menschen, die nicht im Büro sitzen und nicht in Management-Vokabeln denken. Kein „Maximizer“, kein „Arranger“, keine Fachbegriffe, die erst ein Coach entschlüsseln muss. So nutzen Geschäftsführer*innen, Azubis und Fertigungsmitarbeiter*innen denselben Check.
  • Nur Stärken. Wirklich nur Stärken: Wir bilden keine Schwächen ab, auch nicht durch die Hintertür einer Rangfolge, in der Platz 34 eben doch wie ein Defizit gelesen wird.
  • Bedürfnisse und Rollen inklusive: Zu wissen, was jemand gut kann, ist die halbe Miete. Die andere Hälfte: Was braucht diese Person, damit ihre Stärken überhaupt wirken können, und in welcher Rolle ist sie für ihr Team am wertvollsten? Die Bedürfnisse sind für uns die Hidden Champions der Zusammenarbeit. Genau dieser Teil hat mir bei allen anderen Tests am meisten gefehlt.
  • Selbstbild und 360° Fremdbild: Ein Stärken-Check ist erst mal eine Selbsteinschätzung, beim StärkenRadar wie überall sonst. Mit dem 360°-Blick kommt die zweite Perspektive dazu: Kolleg*innen, Kund*innen oder Familie melden ohne Login zurück, welche Stärken sie bei dir im Alltag sehen. Beide Bilder liegen danach nebeneinander. Interessant sind nicht nur die Bestätigungen und Übereinstimmungen, sondern auch die Stärken, die andere bei mir entdeckt haben, mir aber bisher nicht als Stärken aufgefallen sind.
  • Ganz schön flott: Im Schnitt dauert die Durchführung 14 Minuten und 23 Sekunden. Das Ergebnis ist sofort und ohne Dolmetscher verständlich. Ideal, wenn ein ganzes Team vor dem Workshop den Check machen soll, ohne vorher ein Seminar über das Instrument zu besuchen.
  • Faire Preisgestaltung: Ein Zugang kostet 39 € inklusive Mehrwertsteuer. Zugegeben: Gallups Top-5-Variante ist günstiger. Sie zeigt dir aber auch nur die Spitze, das volle Bild kostet dort 50 bis 60 €. Beim StärkenRadar gibt es keine abgespeckte Einstiegsversion: Für 39 € bekommst du immer das komplette Ergebnis mit Top8, Bedürfnissen und Rollen. Und ab zehn Zugängen greift kein Sonderrabatt mit Countdown, sondern schlicht unsere ganz normale Zehner-Staffel: 351 € brutto, nach Adam Riese also 35,10 € pro Zugang. Stärkenarbeit soll nicht am Budget scheitern.
  • Individuell statt Warenkorb: Für Unternehmen gibt es bei uns keine Konditionen von der Stange, sondern zuerst ein Gespräch. Auch mit dem kleinsten Betrieb. Persönliche Ansprechperson, Unterstützung bei Einführung und Rollout, Material für die Team-Auswertung, individuelle Bereitstellung und Abrechnung. Wie ein Weltkonzern das bei Millionen Kund*innen organisiert, können wir nicht beurteilen. Wir wissen nur, wie wir es halten: Wer bei uns zehn oder zehntausend Zugänge braucht, spricht mit einem Menschen.
  • Daten in Deutschland: Server in Frankfurt am Main, automatische Löschung personenbezogener Daten nach sechs Monaten, und für den Check brauchst du nur Vornamen und E-Mail-Adresse. Das Ergebnis bekommt allein die testdurchführende Person; sie entscheidet, ob und was sie davon teilt. Unsere Datenschutzmaßnahmen sind von zahlreichen Betriebsräten geprüft und freigegeben, alle Details stehen im Whitepaper Datensicherheit. Für viele Personaler*innen ist das inzwischen ein K.O.-Kriterium, wenn die Datensicherheit nicht gewährleistet werden kann.
  • Betriebsrat-approved: Völlig nachvollziehbar, dass Betriebsräte erst einmal genau hinschauen, wenn ein neues Tool eingeführt wird. Was Betriebsräte vom StärkenRadar überzeugt: Der Fokus ausschließlich auf die Stärken, das Prinzip Freiwilligkeit (die Mitarbeitenden bestimmen, was sie teilen möchten und was nicht!) und dass ihre Kolleg*innen nicht in Schubladen gesteckt werden („Du bist also ein grüner Typ“). Und natürlich der gerade angesprochene Datenschutz.

Und noch ein wichtiger Punkt, auch wenn er im Marketing unüblich ist:

Das StärkenRadar ist kein psychologischer oder klinischer Test. Es ist ein Check aus der Praxis für die Praxis.

Wir sind keine Psycholog*innen und tun nicht so. Entwickelt haben wir das StärkenRadar zwar mit Psycholog*innen, Personaler*innen und hunderten Test-User*innen im JOSEPHS, dem offenen Innovationslabor des Fraunhofer Instituts in Nürnberg. Aber sein Anspruch ist ein anderer als der eines normierten Assessments: Es soll Menschen im Berufsalltag zuverlässig ins Gespräch und ins Tun bringen. Nicht mehr. Und nicht weniger.

Was passt zu wem?

Nimm den CliftonStrengths, wenn du:

  • ein international vergleichbares, wissenschaftlich normiertes Assessment brauchst
  • mit global verteilten Teams arbeitest, die mehr Sprachen brauchen als Deutsch, Englisch und Spanisch
  • maximale Auflösung willst (alle 34 Talente in Rangfolge)

Nimm das StärkenRadar, wenn du:

  • vor allem mit deutschsprachigen Menschen und Teams arbeitest, vom Handwerksbetrieb bis zur Verwaltung (Englisch und Spanisch sind auch an Bord)
  • ein Ergebnis willst, das jede*r ohne Erklärstunde versteht und das direkt in Bedürfnisse und Rollen übersetzt
  • ganze Teams zum fairen Preis durch den Check schicken willst
  • Wert auf Datenhaltung in Deutschland legst

Und ja: Manche unserer Kund*innen nutzen beides. Auch das ist völlig in Ordnung.

Für Coachs, Trainer*innen und Berater*innen

Falls du nicht nur einen Test suchst, sondern ein Instrument für deine eigene Arbeit mit Klient*innen: Auch da unterscheiden sich die Wege. Gallup zertifiziert Coachs in einem viereinhalbtägigen Kurs mit Prüfung, das Zertifikat gilt drei Jahre und liegt preislich im Bereich von mehreren tausend US-Dollar. Unsere Ausbildung zum StärkenCoach dauert vier Live-Tage in einer Gruppe von maximal sechs Personen, du coachst dazwischen echte Klient*innen, und danach bist du an nichts gebunden: keine Lizenzgebühren, keine Rezertifizierung, keine Abnahmepflicht. Welcher Weg zu dir passt, hängt davon ab, mit wem du arbeitest, auf Deutsch oder international, und wie viel Praxis du in der Ausbildung selbst willst.

Unser Fazit

Der CliftonStrengths ist ein starkes Instrument, und wer dessen Stärken (im wahrsten Sinne) braucht, soll ihn nutzen. Das StärkenRadar will ihn nicht ersetzen. Es beantwortet die Fragen, die uns in der deutschsprachigen Praxis am häufigsten begegnen: Was kann ich, was brauche ich dafür, und wo setze ich es ein? In gut 14 Minuten, in klarer Sprache, für alle im Team.

⚡️ Überzeuge dich selbst:

Zum StärkenRadar

Und wenn du lieber erst vergleichst: Hier geht’s zum CliftonStrengths bei Gallup.

Beitragsbild: Goliathhaus in Regensburg. Foto: Rufus46 / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0, Ausschnitt