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Stärke
Kategorie Hand
Was Verantwortung im Arbeitsalltag bedeutet, mit Beispielen vom Meeting bis zum Neinsagen. Und woran du erkennst, ob sie zu deinen Stärken gehört.
Kurz erklärt
Verantwortung heißt, für etwas einzustehen: dafür zu sorgen, dass das Richtige getan wird, und für das geradezustehen, was geschehen ist. Verantwortung kann einem übertragen werden, zum Beispiel mit einer Stelle. Sie kann aber auch eine Haltung sein: sich zu kümmern, wenn es sonst niemand tut. Im StärkenRadar-Modell ist Verantwortung außerdem eine von 24 Stärken (Kategorie Hand): Menschen mit dieser Stärke übernehmen Aufgaben ganz oder gar nicht, bringen sie verlässlich zu Ende und brauchen dafür einen Bereich, in dem sie selbst entscheiden dürfen.
01Definition
Ein Angebot geht mit einem Rechenfehler an eine Kundin. Drei Leute hatten vorher darübergeschaut, die Freigabe lag laut Ablauf beim Vertrieb. Am Nachmittag ruft die Kollegin aus der Kalkulation bei der Kundin an.
Sie sagt: „Der Fehler steckt in meiner Tabelle. Sie bekommen heute noch die korrigierte Fassung.“
Niemand hatte sie dazu aufgefordert. Sie steht für etwas ein, das schiefgegangen ist, und sorgt dafür, dass es in Ordnung kommt. Im Wörterbuch stehen beide Seiten: die Pflicht, dafür zu sorgen, dass das Notwendige und Richtige getan wird, und die Pflicht, für Geschehenes einzustehen. Als dritte Bedeutung nennt es das Verantwortungsbewusstsein. Das Wort ist eng mit der Rechtssprache verbunden: Im Mittelhochdeutschen hieß verantwürten unter anderem, sich vor Gericht zu rechtfertigen und zu verteidigen.1
Im Alltag klingen die drei Bedeutungen so:
Um diese dritte Bedeutung, die Haltung, geht es bei der Stärke Verantwortung.
02Als Stärke
Viele Menschen tragen Verantwortung, weil sie zu ihrer Stelle gehört. Manche übernehmen sie aber auch dann, wenn es niemand von ihnen verlangt, und sie tun das gern. Deshalb führen wir Verantwortung im StärkenRadar als eigene Stärke. Sie ist eine von 24 Stärken und gehört zur Kategorie Hand (Durchführung).
Zu dieser Stärke gehört ein eigener Tanzbereich: ein Feld, für das du ganz zuständig bist und in dem du selbst entscheidest. Menschen mit Verantwortung genießen es, eine Aufgabe ganz zu bekommen, und sie strahlen aus, dass sie ihr gewachsen sind. Vielleicht hast du schon in jungen Jahren Aufgaben bekommen, bei denen andere dachten: Ist das nicht eine Nummer zu groß? Und vielleicht kennst du das von deiner Führungskraft: Wenn sie dir eine Aufgabe überträgt, kann sie ruhig schlafen, weil sie weiß, dass es gut wird.
„Bei mir gibt es nur ‚ganz oder gar nicht‘. Ich mag keine halben Sachen.“
Typische Anzeichen, dass Verantwortung zu deinen Stärken gehören könnte:
So sieht das konkret aus: Im Meeting fragt jemand, wer eine Aufgabe übernimmt. Alle schauen in ihre Taschen oder Laptops, niemand blickt hoch, weil niemand Lust darauf hat. Nach kurzer Zeit sagt eine Person: „Ja, okay, dann mache ich es eben.“ Wenn Verantwortung zu deinen Stärken gehört, bist das häufig du. Du übernimmst die Aufgabe, obwohl sie gar nicht in deinen Tanzbereich fällt. Und von da an behandelst du sie wie deine eigene.
03Bedürfnisse
Hinter jeder Stärke steht ein Bedürfnis. Bei Verantwortung ist es vor allem ein eigener Entscheidungsbereich: Wer die Verantwortung für etwas übernimmt, will dort auch entscheiden dürfen. Dazu kommen das Vertrauen der anderen, dass du die Sache zu Ende führst, Menschen im Umfeld, die ihre Arbeit ernst nehmen, und tragfähige Lösungen statt Übergangslösungen.
Das Kryptonit dieser Stärke ist ein Versprechen, das nicht gehalten wird: „Übernimmst du das bitte? Du hast die volle Verantwortung.“ Und dann schaut dieselbe Person zwischendrin vorbei: „Das würde ich anders machen. Das gefällt mir nicht so. Bitte mach das anders.“ Wer Verantwortung mitbringt, spürt in diesem Moment Wut. Denn es macht keine Freude, die Verantwortung zugesagt zu bekommen und dann doch nicht selbst entscheiden zu dürfen. Menschen mit dieser Stärke machen eine Sache ganz oder gar nicht.
Für Führungskräfte heißt das: Wenn du jemandem mit dieser Stärke eine Aufgabe überträgst, lass die Person laufen. Sie bringt die Sache zu Ende, meistens fehlerfrei.
04Im Team
Was macht jemanden mit dieser Stärke wertvoll für die Zusammenarbeit? Vor allem sechs Beiträge:
05Schattenseite
Menschen mit dieser Stärke sind streng mit sich selbst. Deshalb machen sie selten Fehler. Genau diese Strenge ist aber auch ihre Schattenseite. Wer einmal einen Fehler macht, geht hart mit sich ins Gericht. Passiert derselbe Fehler ein zweites Mal, fallen im eigenen Kopf Schimpfwörter, die diese Person nie zu jemand anderem sagen würde.
Die zweite Schattenseite: Du fühlst dich häufig auch für Dinge verantwortlich, die gar nicht in deinen Bereich gehören. Jemand aus dem Team macht einen Fehler, der deine Arbeit nur am Rand berührt, und du nimmst ihn dir zu Herzen, als wäre es deiner. Hier hilft eine klare Trennung: Was deins ist, ist deins, und was nicht deins ist, ist nicht deins. Deins ist das, was du übernommen hast. Fehler, die andere machen, gehören nicht dazu, auch wenn sie deine Arbeit berühren.
Die größte Aufgabe für Menschen mit dieser Stärke ist es, auch einmal Nein zu sagen. Für viele ist das fast eine Lebensaufgabe. Fragt die Führungskraft „Kannst du das bitte noch übernehmen?“, wäre die ehrliche Antwort: „Im Moment nicht. Ich habe schon so viel auf dem Tisch, und das will ich alles richtig gut machen.“ Das fällt schwer, weil es sich gut anfühlt, mehr Verantwortung zu bekommen. Aber immer mehr in derselben Zeit und derselben Qualität, das geht nicht.
Ein Bild dafür sind die Sauerstoffmasken im Flugzeug: Erst setzt du dir selbst die Maske auf, dann hilfst du anderen. Für dich heißt das: Übernimm zuerst Verantwortung für dich selbst und achte darauf, dass du genug Energie hast. Wenn deine Kraft aufgebraucht ist, kannst du für nichts und niemanden mehr Verantwortung übernehmen.
06Abgrenzung
Wer oft „hier“ ruft, wenn Verantwortung verteilt wird, gilt schnell als Person, die sich in den Vordergrund drängt oder sich für besonders wichtig hält. Dazu kommt der Vorwurf, zu ehrgeizig zu sein. Das trifft es nicht: Menschen mit dieser Stärke wollen Aufgaben übernehmen, gestalten und zuverlässig zu Ende bringen. Je älter sie werden, desto größer soll ihr Tanzbereich sein: Sie möchten mehr Verantwortung übernehmen und sich weniger hineinreden lassen. Manche wollen dann auch in der Hierarchie eine Stufe nach oben. Das ist bei dieser Stärke ein ganz normaler Antrieb.
Und noch eine Abgrenzung: Verantwortung ist nicht dasselbe wie Umsetzung. Bei Umsetzung geht es darum, sofort ins Tun zu kommen und Ergebnisse zu sehen. Bei Verantwortung geht es darum, eine Aufgabe ganz zu übernehmen und sie ordentlich zu Ende zu bringen. Im StärkenRadar sind das zwei eigene Stärken.
07Kombinationen
Keine Stärke wirkt für sich allein. Drei machen Verantwortung noch wirksamer, wir nennen sie Verstärker.
Verstärker
In die andere Richtung ziehen zwei Stärken, die wir Gegenpole nennen.
Gegenpole
Ein Sonderfall ist Entscheidungsfreude: Sie kann Verstärker und Gegenpol sein. Sie hilft, weil du mit Verantwortung immer wieder entscheiden musst, auch wenn die Entscheidung unbequem ist. Deine Entscheidungsfreude weiß dann aus dem Bauch heraus, in welche Richtung es gehen soll. Schwierig wird es, wenn eine Entscheidung danebengeht. Für deine Entscheidungsfreude gehört das dazu: Wer entscheidet, liegt manchmal daneben. Deine Verantwortung lässt dieses „manchmal“ nicht gelten. Frag dich dann, ob du die Entscheidung mit dem Wissen von damals noch einmal genauso treffen würdest. Wenn ja, hatte Entscheidungsfreude recht und es gibt nichts zu büßen: Ein schlechter Ausgang ist nicht dasselbe wie eine falsche Entscheidung. Wenn nein, benenne, was du übersehen hast, und prüf es beim nächsten Mal vorher.
08Lernen
Das Verhalten ja. Verantwortung zu übernehmen lässt sich üben: eine Aufgabe ganz annehmen, sie zu Ende bringen und für das Ergebnis einstehen, auch wenn es nicht gelungen ist. Ob Verantwortung darüber hinaus zu deinen Stärken gehört, also leichtfällt und Energie gibt, statt sie zu kosten, ist eine andere Frage. Ein Hinweis darauf: Wer diese Stärke hat, muss selten üben, Verantwortung zu übernehmen. Schwerer fällt es diesen Menschen, auch einmal Nein zu sagen. Ein strukturiertes Bild dazu gibt dir ein Stärkentest, der Verantwortung als eigene Dimension erfasst.
Selbstcheck
Selbstcheck
„Wenn im Meeting niemand eine Aufgabe will, übernehme ich sie irgendwann. Und dann ist sie auch ganz meine.“
09Fragen
Verantwortung heißt, für etwas einzustehen: dafür zu sorgen, dass das Richtige getan wird, und für das geradezustehen, was geschehen ist.
Wenn im Meeting niemand eine unbeliebte Aufgabe will und du sagst „Dann mache ich es“, übernimmst du Verantwortung. Du trägst sie auch, wenn du nach einem Fehler sagst: „Das war meiner, ich bringe es in Ordnung.“
Verantwortung zu übernehmen heißt, sich eine Aufgabe zu eigen zu machen: dafür zu sorgen, dass das Richtige getan wird, und für das Ergebnis einzustehen, auch wenn es nicht gelungen ist.
Im StärkenRadar-Modell ja: eine von 24 Stärken, Kategorie Hand. Gemeint ist der innere Anspruch, Aufgaben ganz zu übernehmen, verlässlich zu Ende zu bringen und in hoher Qualität abzuliefern.
Im StärkenRadar-Modell besonders Umsetzung, Struktur und Fokussierung. Spannungsreiche Gegenpole sind Flexibilität und Leichtigkeit. Entscheidungsfreude kann je nach Situation beides sein.
Ein Anhaltspunkt: Wenn dir andere früh große Aufgaben anvertraut haben und dir das Neinsagen schwerfällt, spricht einiges dafür. Ein strukturiertes Bild gibt dir ein Stärkentest wie das StärkenRadar, das Verantwortung als eigene Stärke ausweist.