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Stärke
Kategorie Hand
Was Fokussierung im Alltag bedeutet, mit Beispielen vom Pausenhof bis zum Projektteam. Und woran du erkennst, ob sie zu deinen Stärken gehört.
Kurz erklärt
Fokussierung heißt, sich auf eine Sache zu konzentrieren, die man für wichtig hält: Wer sich fokussiert, richtet die Aufmerksamkeit auf diese Sache und stellt anderes dafür zurück. Im StärkenRadar-Modell ist Fokussierung außerdem eine von 24 Stärken (Kategorie Hand): Menschen mit dieser Stärke motivieren sich selbst, sobald sie ein Ziel vor Augen haben, und verfolgen es hartnäckig, bis sie es erreicht haben. Sie müssen dafür wissen, wohin es gehen soll und warum.
01Definition
Ein Team nimmt sich für das nächste Quartal zwölf Vorhaben vor. Nach sechs Wochen ist keines davon fertig, weil alle an allem ein bisschen arbeiten.
Dann sagt eine: „Wir suchen uns jetzt die zwei wichtigsten aus und machen erst die fertig. Alles andere wartet so lange.“
Von Fokussierung spricht man, wenn sich Menschen auf das konzentrieren, was sie für wichtig halten, und anderes dafür zurückstellen. Das Wörterbuch nennt drei Bedeutungen. In der Optik ist Fokussierung das Scharfstellen eines Objektivs oder des Auges. In der Physik ist Fokussierung die Bündelung von Strahlen auf einen Punkt. Und im übertragenen Sinn ist Fokussierung die Konzentration auf eine Sache, die für wichtig gehalten wird.1
Im Alltag klingen die drei Bedeutungen so:
Der Stärke Fokussierung am nächsten ist die dritte Bedeutung.
02Als Stärke
Viele Menschen konzentrieren sich auf eine Sache, weil ihre Arbeit es gerade von ihnen verlangt. Manche tun das aber von sich aus, sobald sie ein Ziel vor Augen haben, und bleiben dran, bis sie es erreicht haben. Deshalb führen wir Fokussierung im StärkenRadar als eigene Stärke. Sie ist eine von 24 Stärken und gehört zur Kategorie Hand (Durchführung).
Mit der Stärke Fokussierung muss dich niemand mehr von außen motivieren, sobald du dir ein Ziel gesetzt hast. Du bist dann ständig von innen heraus motiviert. Je klarer du dieses Ziel vor Augen hast, desto stärker spürst du diesen Antrieb, und am besten ist es, wenn du dir das Ziel selbst gesetzt hast. Du sagst dir dann: Komm, wir packen es an. Ich schaffe es, und ich bleibe so lange dran, bis ich dieses Ziel erreicht habe.
„Wenn ich ein Ziel vor Augen habe, dann brauche ich niemanden, der mich motiviert. Das Ziel wirkt wie ein Motor für mich.“
Typische Anzeichen, dass Fokussierung zu deinen Stärken gehören könnte:
So sieht das konkret aus: Wir kennen einen Schüler, der sich in den Kopf gesetzt hatte, dass er unbedingt ein iPad haben wollte. Seine Eltern sagten: „Du hast gerade erst ein iPhone von uns bekommen. Auf gar keinen Fall bekommst du jetzt auch noch ein iPad.“ Der Schüler hatte mitbekommen, dass auf dem Pausenhof sehr viele Pfandflaschen herumlagen, und fing an, sie zu sammeln. Danach ging er zu jeder Mitschülerin und zu jedem Mitschüler und sagte: „Ich will mir ein iPad kaufen. Kriege ich dein Pfand?“ Alle fanden das so cool, dass er innerhalb von drei oder vier Wochen das ganze Geld für das iPad zusammenhatte.
Das ist ein glasklarer Fall von Fokussierung. Dem Schüler war klar: Ich will das Ding haben. Was muss ich dafür tun? In jeder Pause wusste er, was zu tun war. Niemand musste ihn anschieben. Es war ihm auch egal, wenn ihn jemand auslachte.
03Bedürfnisse
Aus jeder Stärke ergibt sich auch ein Bedürfnis. Mit Fokussierung brauchst du immer ein Warum und vor allem ein Wohin. Du musst wissen, wohin es gehen soll und was das Ziel ist. Und du musst wissen, warum dieses Ziel wichtig ist. Wenn das Warum nicht klar ist, bekommst du ganz große Schwierigkeiten, weil du gar nicht weißt, warum du deine Energie dorthin wenden sollst.
Noch einmal deutlich besser ist es, wenn du dir deine Ziele selbst setzen kannst. Du kannst sie natürlich absprechen, zu Hause mit deiner Partnerin oder deinem Partner und bei der Arbeit mit deiner Führungskraft. Wichtig ist aber, dass es am Ende deine eigenen Ziele sind und dass du sie dir vor deinem geistigen Auge gut vorstellen kannst. Dann bist du auf dem richtigen Weg, und es tut dir gut.
Außerdem willst du ohne Umwege auf dein Ziel zugehen und keine Zeit verschwenden. Du willst genau klären, was verlangt wird und wer was bis wann macht. Du möchtest dich auf eine Sache konzentrieren, bis die Aufgabe fertig ist. Und du brauchst Leute in deinem Umfeld, die ebenfalls etwas bewegen wollen.
Überhaupt nicht leiden kannst du es, wenn alle völlig kopflos in irgendeine Richtung rennen und du gar nicht weißt, was los ist. Vielleicht ist dir das in einem Meeting schon einmal passiert. Du sitzt da und denkst: Irgendwie reden wir die ganze Zeit am eigentlichen Thema vorbei. Dann klappen alle ihre Laptops zu und gehen, und du fragst dich: Was haben wir jetzt eigentlich die letzte Stunde gemacht? Am Ende weiß niemand, was jetzt zu tun ist. Das ist für dich ein absolutes No-Go. Du weißt, dass diese Stunde verschwendet war, und das saugt dir ordentlich Energie.
Für Führungskräfte heißt das: Sag Menschen mit dieser Stärke, wohin es gehen soll und warum. Klär mit ihnen genau, was verlangt wird und bis wann. Und lass sie, wo es geht, ihre Ziele selbst setzen.
04Im Team
Was macht jemanden mit dieser Stärke wertvoll für die Zusammenarbeit? Vor allem sechs Beiträge:
Mit zwei Arten von Menschen kann es im Team schwierig werden. Sehr flexible Menschen sagen: „Wenn es so nicht geht, dann machen wir es eben anders.“ Auf dich wirken sie dann eher sprunghaft, und es kann zu Reibereien kommen. Sehr vorsichtige Menschen wollen sich erst durch den Kopf gehen lassen, ob alles sinnvoll ist, bevor sie ins Tun kommen. Auf dich kann das ausbremsend wirken. Achte dann darauf, dass ihr nicht allzu stark aneinandergeratet.
05Schattenseite
Die Schattenseite dieser Stärke zeigt sich, wenn du kein Ziel hast. Sie zeigt sich auch, wenn ein Ziel für dich keinen Sinn ergibt oder für dich überhaupt nicht attraktiv ist. Normalerweise kannst du dich ja selbst motivieren. Aber wenn das Ziel nicht stimmig ist oder nicht deins ist, kannst du nicht loslegen. Du merkst dann, dass du nicht in Bewegung kommst. Du hast gar keine Lust darauf, und es zieht dich überhaupt nicht dorthin. Das ist ein bisschen bitter, weil die Energie, die du eigentlich in dir trägst, dann heruntergefahren wird. Vielleicht wirst du dann träge und hast auf gar nichts mehr Lust.
Achte auch auf Zeiten, in denen eigentlich alles in Ordnung ist. Bei der Arbeit passt alles, zu Hause passt alles, die Freundschaften passen, und auch beim Sport läuft es. Trotzdem hast du ein kleines, nagendes Gefühl der Unzufriedenheit. Dann setz dich wirklich einmal hin und schau, ob du im Moment ein Ziel hast, auf das du zugehen willst. Vielleicht hast du auch schon ein Ziel erreicht, das für dich ganz wichtig war, und danach vergessen, dir ein neues zu setzen.
Denn für dich ist es überhaupt nicht schön, ein Ziel erreicht zu haben. Man glaubt ja, dass man sich dann riesig freut. Mit Fokussierung erreichst du aber dein Ziel und fällst gleich danach in ein Loch. Du denkst: Ich habe es geschafft. Und was mache ich jetzt? Am besten suchst du dir dann so schnell wie möglich ein neues Ziel.
Damit du diese Stärke gesund leben kannst, prüf immer mal wieder, ob das Ziel, auf das du zuläufst, wirklich noch dein Ziel ist und ob es für dich noch attraktiv ist.
Manchmal bist du auch zu verbissen. Wenn du das merkst, kannst du kurz herauszoomen. Oder du holst dir eine Person, die mit dir herauszoomt, vielleicht jemanden mit der Stärke Meta-Ebene. Du sagst dann: „Dort möchte ich hin. Ich habe gerade das Gefühl, dass ich zu verbissen bin. Kannst du mit mir zusammen kurz von oben auf die Situation schauen?“ Manchmal gibt es dann tatsächlich eine kleine Abkürzung, die du vielleicht nicht gesehen hast, weil du so fokussiert warst und dadurch betriebsblind geworden bist. Es ist also sehr wertvoll, dir jemanden dazuzuholen, wenn dir deine Fokussierung nicht guttut. Du kommst dadurch sogar noch schneller zu deinem Ziel.
06Abgrenzung
Wer diese Stärke hat, gilt bei anderen vielleicht als dickköpfig oder engstirnig, manchmal auch als zu verbissen. Denn wenn du etwas wirklich willst, ist es dir egal, ob es draußen regnet. Es ist dir auch egal, ob jemand eine andere Meinung hat. Und es ist dir egal, ob jemand sagt: „Das kann aber nicht funktionieren, weil …“ Solche gut gemeinten Ratschläge prallen an dir ab. Sie interessieren dich in diesem Moment gar nicht so richtig. Deshalb wirkst du auf andere manchmal ein bisschen dickköpfig, so als würdest du gar keine andere Meinung zulassen.
Das ist eine Fehleinschätzung. Es kann sein, dass du manchmal zu verbissen bist. Dass du gar keine andere Meinung zulässt, stimmt aber nicht. Es ist nur so: Wenn du ein Ziel vor Augen hast, verliert alles andere für dich in diesem Moment an Bedeutung.
Und noch eine Abgrenzung: Fokussierung ist nicht dasselbe wie Weitblick, auch wenn die beiden gut zusammenpassen. Mit beiden Stärken hast du ein Ziel vor Augen, auf das du zugehen willst. Bei Weitblick geht es darum, sehr weit nach vorne zu schauen, fünf bis zehn Jahre. Bei Fokussierung geht es darum, ein gestecktes Ziel hartnäckig zu verfolgen, bis du es erreicht hast. Der Zeitraum ist dabei vielleicht nicht ganz so lang. Es geht eher um sechs Monate, vielleicht auch einmal um ein Jahr.
07Kombinationen
Keine Stärke wirkt für sich allein. Besonders drei machen Fokussierung noch wirksamer, wir nennen sie Verstärker.
Verstärker
In die andere Richtung ziehen vor allem drei Stärken, die wir Gegenpole nennen.
Gegenpole
08Lernen
Das Verhalten, das zu Fokussierung gehört, lässt sich üben. Du kannst dir angewöhnen, für eine Aufgabe zuerst ein klares Ziel festzulegen. Du kannst auch üben, Prioritäten zu setzen und bei einer Sache zu bleiben, bis sie fertig ist. Ob Fokussierung darüber hinaus zu deinen Stärken gehört, ist eine andere Frage. Eine Stärke fällt dir leicht und gibt dir Energie, statt dich Energie zu kosten. Wer die Stärke Fokussierung hat, muss selten üben, sich für ein Ziel selbst zu motivieren. Diesen Menschen fällt es eher schwer, ohne Ziel zu sein oder auf ein Ziel hinzuarbeiten, das nicht ihr eigenes ist. Wenn es dir auch so geht, kann das ein Hinweis darauf sein, dass Fokussierung zu deinen Stärken gehört. Genauer zeigt dir das ein Stärkentest, in dem Fokussierung als eigene Stärke gemessen wird.
Selbstcheck
Selbstcheck
„Wenn ich mir selbst ein Ziel für die nächsten Wochen oder Monate gesetzt habe, muss mich niemand mehr antreiben. Ich bleibe dran, bis ich es erreicht habe.“
09Fragen
Fokussierung heißt, sich auf eine Sache zu konzentrieren, die man für wichtig hält: Wer sich fokussiert, richtet die Aufmerksamkeit auf diese Sache und stellt anderes dafür zurück.
Ein Team hat sich für ein Quartal zwölf Vorhaben vorgenommen und kommt bei keinem richtig voran. Fokussierung heißt dann, die zwei wichtigsten auszuwählen und erst diese fertig zu machen. Ein Beispiel aus der Schule: Ein Schüler will unbedingt ein iPad haben. Er sammelt in jeder Pause Pfandflaschen, bis er nach drei oder vier Wochen das Geld zusammenhat.
Fokussiert zu sein heißt, die Aufmerksamkeit auf eine Sache zu richten und bei dieser Sache zu bleiben. Im StärkenRadar-Modell ist Fokussierung die Stärke von Menschen, die ein Ziel hartnäckig verfolgen und sich ganz einer einzigen Sache widmen können.
Ja, im StärkenRadar-Modell ist Fokussierung eine von 24 Stärken und gehört zur Kategorie Hand. Gemeint ist die Fähigkeit, sich selbst zu motivieren, sobald ein Ziel klar ist, und so lange dranzubleiben, bis es erreicht ist.
Im StärkenRadar-Modell wird Fokussierung besonders von Weitblick, Meta-Ebene und Planung verstärkt. Spannungsreiche Gegenpole zu Fokussierung sind vor allem Flexibilität, Achtsamkeit und Leichtigkeit.
Es gibt drei Anhaltspunkte. Motivierst du dich selbst, sobald du ein Ziel vor Augen hast? Kommst du kaum in Bewegung, wenn ein Ziel nicht dein eigenes ist oder für dich keinen Sinn ergibt? Und fällst du in ein Loch, wenn du ein Ziel erreicht hast? Wenn das alles auf dich zutrifft, spricht einiges dafür, dass Fokussierung zu deinen Stärken gehört. Genauer zeigt dir das ein Stärkentest wie das StärkenRadar, in dem Fokussierung als eigene Stärke gemessen wird.